Ist das euer Ernst, DFB?

Ach ja… der DFB mal wieder.

Eigentlich ist mein Potential mich über diese Organisation aufzuregen spätestens seit der Sommermärchen-Affäre aufgebraucht. Die abenteuerliche Regelung der Regionalligen, aus denen man selbst als Meister nicht direkt aufsteigt ist dagegen eher harmlos, ließe sich aber auch entsprechend leicht beheben. Was der Verband aber jetzt mit seiner 4. Liga vorhat, setzt dem ganzen Theater die Krone auf.

Aber worum geht es überhaupt? Wie die „Regionalliga Südwest GbR“, die für diese Liga zuständig ist und der die entsprechenden Landesverbände des DFB angehören, verlauten ließ, plant man in der kommenden Saison die mit 19 Teams bestückte Staffel um eine 20. Mannschaft zu ergänzen. Klingt ja erstmal ganz vernünftig, immerhin sind gerade Teamzahlen gut, denn so muss kein Team spielfreie Wochenenden überbrücken und die Tabelle lässt immer klar erkennen, wer gerade vorne liegt. Niemand muss rumrechnen, bei welcher Mannschaft noch drei Punkte dazukommen könnten und dergleichen mehr. Dumm nur, dass genau das immer noch der Fall sein wird. Denn anstatt wie jeder normal denkende Mensch entweder einen Absteiger weniger in die 5. Liga zu schicken oder ein Team mehr aus dieser aufsteigen zu lassen, ist der aktuelle Plan, eine chinesische Auswahlmannschaft außer Konkurrenz antreten zu lassen.

Es geht mal wieder nur ums Geld

Völlig verständlich also, dass nicht nur die Regionalliga-Vereine dagegen Sturm laufen, sondern auch so ziemlich jeder Fan. Besonders groß war die Aufregung beim FK Pirmasens:

„Ich habe dafür keine Worte mehr, im Verein herrscht komplette Fassungslosigkeit“, sagte Geschäftsstellenleiter Christoph Radtke am Donnerstag dem Magazin „ZEIT ONLINE“. „In Regionalliga steckt ja auch das Wörtchen Region. Wir sind einer der zwei bis drei Amateurvereine und fliegen jetzt aus dieser Liga raus. Sechs Mannschaften steigen ab, und nun holt der DFB die chinesische Nationalmannschaft. Wir müssen das wohl hinnehmen, aber für mich ist das purer Kapitalismus!“

Da Pirmasens bei einer regulären Aufstockung (oder einer früheren Insolvenz von Hessen Kassel) wohl in der Liga geblieben wäre, schüttelt man im Verein nur den Kopf. Der Kapitalismus-Vorwurf speist sich dabei auch aus der Begründung dieser Maßnahme. Zwar sollen die Vereine für die Freundschaftskicks mit je 15.000 € entlohnt werden, um die Klubs geht es den Verbänden aber nicht, auch wenn sie für diese zuständig sind. Der Deal ist Teil einer Kooperation des DFB mit dem chinesischen Verband, der auf politischer Ebene unterstützt wird. Dabei geht es vor allem darum, die Nachwuchsarbeit in China zu fördern und nicht zuletzt auch darum, Vermarktungsmöglichkeiten im Reich der Mitte zu schaffen. DFB und DFL wird das sicher freuen, durch einen solchen Deal einen milliardenschweren Markt zu erschließen sorgt bei jedem Schatzmeister für leuchtende Augen. Dass die neuen Pläne das hirnrissigste Vorhaben in der Geschichte des DFB sind, spielt da nur eine Nebenrolle.

Mal ganz davon abgesehen, dass die ganze Aktion nur ein sehr schlecht getarnter Deal zum Gelddrucken sind, macht der Plan auch sportlich keinen Sinn. Klar, internationale Vergleiche haben sich im Fussball in den letzten hundert Jahren bewährt und das Niveau auch deutlich angehoben. Allerdings setzte das auch immer voraus, dass man sich dafür qualifizieren musste. Dieses Prinzip zieht sich von ganz unten nach ganz oben: Wer sich in seinem Fussball-Kreis die Meisterschaft holt, darf sich auf Landesebene beweisen. Wird man auch dort irgendwann Meister, geht es in den bundesweiten Spielbetrieb. Und erst dann kommt irgendwann die Teilnahme am internationalen Wettbewerb, zunächst auf dem eigenen Kontinent und schließlich bei der Klub-WM im Vergleich mit den besten der anderen Kontinente. Auch im beschaulichen Pirmasens weiß man schon: „In Regionalliga steckt ja auch das Wörtchen Region.“ Und da spielen auch nur Teams aus der Region, nicht vom anderen Ende der Welt.

Im Gegensatz dazu wird hier also einfach ein Team ohne Rücksicht auf die Qualität in eine Liga hineingezwängt – ganz ähnlich, wie man es nach dem Mauerfall mit den DDR-Teams machte. Zum einen auf Kosten der Teams, die den Regionalverbänden angehören, aber möglicherweise auch auf Kosten der China-Auswahl. Es ist kaum eine Einschätzung möglich, wie diese Mannschaft im Vergleich zu den Südwest-Teams qualitativ aufgestellt ist. Sie könnte sowohl Woche für Woche aus dem Stadion geschossen werden als auch jedes einzelne Spiel hoch gewinnen. In beiden Fällen haben die Spieler wenig davon, sie entwickeln sich nicht weiter und auf- oder absteigen können sie ja auch nicht, da sie außer Konkurrenz spielen.

Quo vadis, DFB?

Ein Verband (der DFB) der schon 2014 rund 100 Millionen durch seine A-Nationalmannschaft einspielte, den Confed Cup aber auch wegen der geringen Prämien als wenig lukrativ bezeichnet, macht mit den China-Plänen einen weiteren Schritt in die falsche Richtung. Immer klarer ist erkennbar, dass es in erster Linie nicht um das Wohl der Vereine und damit die Basis der Erfolge der Nationalelf geht, sondern um den schnöden Mammon. Schon jetzt haben, gerade in höheren Ligen, viele Amateurvereine Probleme, die Anforderungen zu erfüllen. Denn diese sehen ebenfalls zahlreiche Meldegebühren, Schiedsrichterkosten, etc. bis hin zu Auflagen für die Stadien vor, je höher die Liga, desto teurer wird die Erfüllung dieser Anforderungen. An dieser Stelle sei die ZDFzoom-Reportage Unsere Amateure – echte Profis – Wie es Fußball-Deutschland wirklich geht empfohlen. Wenn schon der Fokus darauf liegt, mehr und mehr Geld einzunehmen, sollte man als Dachverband, der noch dazu als e.V. gemeinnützig ist (oder sein sollte), dafür sorgen, dass der Breitensport und seine Verein diese Funktion auch wahrnehmen kann.

tl;dr – Der DFB und seine Verbände machen immer deutlicher, dass es ihnen eher um Geld denn um das Wohl ihrer Vereine geht. Die aktuellen Gewinne sollten als Entlastungen auch den Amateurvereinen zugute kommen; vor allem, wenn der absurde China-Deal wirklich zustande kommt.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Ist das euer Ernst, DFB?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s