Der Ball ist rund und ein Spiel dauert… 60 Minuten?

Die IFAB (International Football Association Board) ist für die im Fussball geltenden Regeln verantwortlich. Am Rande des Confed Cups hat das Gremium nun seine Vorschläge für mögliche Regeländerungen im Fussball vorgestellt. Neben Verbesserungen im Detail sieht dieses Strategiepapier auch radikale Änderungen vor und nicht alle davon sind sinnvoll.

1 – Die Spielzeit soll von 2×45 auf 2×30 Minuten verkürzt werden, dafür aber auf Nettospielzeit umgestellt werden.

Große Diskussionen gab es in dieser Saison um die Nachspielzeit, mal war sie zu kurz, mal war sie zu lang. Stein des Anstoßes in der Bundesliga war die Partie zwischen Hertha BSC und dem FC Bayern, in der die Münchener in der allerletzten Sekunde der bereits verlängerten Nachspielzeit noch zum 1:1 kamen. In Folge dieses Spiels wurde die „Nettospielzeit“ analysiert, also wie lange das Spiel während der 90+x Minuten tatsächlich läuft. In den meisten Fällen kam man dabei auf Werte zwischen 50 und 60 Minuten. An der tatsächlichen Spielzeit würde dieser Vorschlag also wohl nur sehr wenig ändern, von daher entbehrt diese Maßnahme bereits jeder Notwendigkeit.

Richtig problematisch wird es aber an anderer Stelle: Wird die Spielzeit bei jeder Unterbrechung exakt gestoppt, weiß etwa eine knapp in Führung liegende Mannschaft mit einem kurzen Blick zur Anzeigetafel, wie lange sie den Ball noch in ihren Reihen halten muss, um die gewünschten Punkte mitzunehmen. Der Weg zur nächsten Eckfahne wird noch um einiges einladender als bisher. Zwar werden andere „taktische“ Mittel (z.B. Wechsel, um Zeit von der Uhr zu nehmen; Liegenbleiben nach Fouls/Verletzungen) unattraktiver, die Änderung geht aber am Kern des Problems vorbei. Ganz davon abgesehen müsste man wohl einen weiteren Schiedsrichter abstellen (vgl. Zeitnehmer in Handball & Co.) und damit die Unparteiischen fast in Mannschaftsstärke antreten lassen.

2 – Bei Standardsituationen soll sich der ausführende Spieler den Ball künftig auch selbst vorlegen dürfen.

Daran ist wenig auszusetzen, es fördert allerdings nicht gerade die Kreativität vieler Teams. Schon jetzt sind One-Man-Shows wie CR7’s theaterreifer Anlauf eher die Regel als die Ausnahme. Die neue Regelung würde das eher noch verstärken.

3 – Bei Standardsituationen soll der Ball nicht mehr ruhen müssen.

Und was unterscheidet diese Situationen dann noch vom laufenden Spiel? Ich verstehe den Gedanken dahinter, das Spiel schneller zu machen. Die Regel macht Standardsituationen im Ganzen aber eher überflüssig.

4 – Nimmt ein Torwart einen Rückpass mit der Hand auf, soll es künftig Elfmeter statt indirektem Freistoß geben.

Einer der wenigen Vorschläge, die man problemlos diskutieren kann. Allerdings muss dabei die Frage geklärt werden, ob die Schwere des Vergehens die Strafe (also den Strafstoß für den Gegner) rechtfertigt. Da es sich bis zum Verbot eher um ein taktisches Mittel gegen die Uhr handelte, darf das bezweifelt werden.

5 – Wird ein Tor mit einem Handspiel auf der Torlinie verhindert, soll es dennoch als Tor gewertet werden.

Eine schwierige Frage. Im Prinzip bin ich sogar dafür, denn so werden Szenen wie Luis Suárez kurzfristige Umschulung zum Torhüter bei der WM 2010 der Vergangenheit angehören. Vorraussetzung wäre natürlich die flächendeckende Einführung des Videobeweises, damit Irrtümer ausgeschlossen sind. Bei den weitreichenden Folgen dieser Entscheidungen ist das eine Grundvoraussetzung.

6 – Bei Elfmetern soll kein Nachschuss mehr erlaubt sein.

Was im Shootout also bereits praktiziert wird, soll jetzt auch im Spiel gelten. Macht das im Elfmeterschießen noch Sinn, entbehrt dieser Vorschlag jeder Grundlage. Denn der Elfmeter ist Teil eines laufenden Spiels. Nachdem der Schütze seinen Versuch unternommen hat, geht das Spiel also weiter als wäre nichts geschehen. Die Möglichkeit des Nachschusses zu verbieten, entwertet diese Situation aus Sicht der angreifenden Mannschaft. Da es aber als Sanktion für einen Regelverstoß der Verteidiger gedacht ist, führt diese Regel in die falsche Richtung.

7 – Abstöße sollen künftig auch IM Strafraum angenommen werden dürfen

Um ganz ehrlich zu sein, war mir bisher nicht einmal bekannt, dass das nicht erlaubt ist. Dieses Verbot darf gerne fallen, da es keine Auswirkungen auf das Spiel hat.

8 – Kritik am Schiedsrichter soll mit Tor- oder Punktabzug bestraft werden können.

Der Schiedsrichter soll das Spiel leiten, nicht über den Dingen stehen. Ein Schiedsrichter ist – wie wir alle wissen – nicht unfehlbar, daher muss Kritik erlaubt sein. Jedem Unparteiischen stehen schon jetzt genug Möglichkeiten zur Verfügung, Entgleisungen der Spieler zu sanktionieren, auch gegen ihn selbst gerichtete. Konsequent angewendet sind diese völlig ausreichend.

9 – Das Spiel soll erst abgepfiffen werden, wenn der Ball im Aus ist.

Das widerspricht bereits dem Vorschlag mit der exakt gestoppten Spielzeit. Andererseits schafft eine solche Regel viele klar festgelegte Möglichkeiten, ein Spiel „sinnvoll“ abzupfeiffen und nimmt somit Vorwürfen wie „Den Angriff hätte er/sie noch zu Ende spielen lassen können“ die Grundlage.

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